Glossar: Unternehmen kaufen und verkaufen

73 Begriffe aus Firmenkauf, Nachfolge, Bewertung und Finanzierung, kurz erklärt und mit Beispielen aus der Praxis kleiner und mittlerer Betriebe.

A

Asset Deal
Beim Asset Deal kauft der Käufer einzelne Wirtschaftsgüter eines Unternehmens – etwa Maschinen, Warenlager, Kundenstamm und Marke – statt der Gesellschaftsanteile.

B

Bankdarlehen
Ein Bankdarlehen zur Unternehmensübernahme finanziert einen Teil des Kaufpreises und wird aus den künftigen Erträgen des gekauften Betriebs zurückgezahlt.
Betriebsübergang
Ein Betriebsübergang nach § 613a BGB liegt vor, wenn ein Betrieb oder Betriebsteil durch Rechtsgeschäft auf einen neuen Inhaber übergeht; die Arbeitsverhältnisse gehen mit über.
Bürgschaftsbank
Bürgschaftsbanken sind Förderinstitute der Länder, die Hausbanken einen Teil des Kreditrisikos abnehmen, wenn Gründer oder Käufer nicht genug Sicherheiten haben.

C

Cash-free/Debt-free
Cash-free/Debt-free bedeutet, dass der Kaufpreis so berechnet wird, als hätte das Unternehmen weder liquide Mittel noch Finanzschulden.
Closing
Closing ist der Vollzug des Unternehmenskaufs: Kaufpreis wird gezahlt, Anteile oder Wirtschaftsgüter gehen über, das Unternehmen wechselt tatsächlich den Inhaber.
Closing Accounts
Closing Accounts sind ein Abschluss auf den Vollzugstag, mit dem der vorläufige Kaufpreis anhand der tatsächlichen Schulden, Kasse und des Working Capital angepasst wird.

D

Discounted Cashflow (DCF)
Das DCF-Verfahren bewertet ein Unternehmen über die abgezinsten künftigen freien Cashflows, also das Geld, das nach Investitionen tatsächlich übrig bleibt.
Due Diligence
Die Due Diligence ist die gründliche Prüfung eines Unternehmens durch den Käufer vor dem Kauf – finanziell, rechtlich, steuerlich und operativ.

E

Earn-out
Ein Earn-out ist ein Kaufpreisteil, der erst nach dem Verkauf und nur dann gezahlt wird, wenn das Unternehmen vereinbarte Ziele wie Umsatz oder Ergebnis erreicht.
EBIT
EBIT ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern und zeigt, was ein Unternehmen mit seinem operativen Geschäft verdient – unabhängig von Finanzierung und Steuerlast.
EBIT-Multiple
Das EBIT-Multiple ist der Faktor, mit dem das nachhaltige EBIT multipliziert wird, um den Unternehmenswert abzuschätzen.
EBITDA
EBITDA ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und nähert den operativen Mittelzufluss eines Unternehmens an.
Eigenkapital
Eigenkapital ist bei einer Übernahme der Teil des Kaufpreises, den der Käufer aus eigenen Mitteln aufbringt und nicht über Kredite finanziert.
Eigenverwaltung
In der Eigenverwaltung führt die bisherige Geschäftsleitung das Unternehmen im Insolvenzverfahren selbst weiter, überwacht von einem Sachwalter statt eines Insolvenzverwalters.
Ertragswertverfahren
Das Ertragswertverfahren ermittelt den Unternehmenswert aus den künftig erwarteten Erträgen, die mit einem Kapitalisierungszinssatz auf heute abgezinst werden.
Exposé
Das Exposé ist die ausführliche Beschreibung eines zum Verkauf stehenden Unternehmens, die Interessenten meist erst nach unterschriebener Vertraulichkeitsvereinbarung erhalten.

F

Familieninterne Nachfolge
Bei der familieninternen Nachfolge übernimmt ein Familienmitglied den Betrieb – durch Schenkung, Erbfolge, Kauf oder eine Mischung daraus.
Family Office
Ein Family Office verwaltet das Vermögen einer oder mehrerer vermögender Familien und investiert dabei auch direkt in mittelständische Unternehmen.
Financial Due Diligence
Die Financial Due Diligence prüft Zahlen, Ertragskraft, Liquidität und Planung eines Unternehmens, um den Kaufpreis und die Finanzierung abzusichern.
Förderkredit
Förderkredite sind öffentlich unterstützte Darlehen, etwa von KfW, ERP-Programmen oder Landesförderbanken, die auch Unternehmensübernahmen mitfinanzieren können.
Freistellung
Eine Freistellung verpflichtet den Verkäufer, den Käufer von bestimmten, bereits bekannten oder abgrenzbaren Risiken wirtschaftlich vollständig freizuhalten.

G

Garantien
Garantien im Unternehmenskaufvertrag sind Zusicherungen des Verkäufers über den Zustand des Unternehmens, für deren Unrichtigkeit er nach den vertraglichen Regeln haftet.
Gläubigerausschuss
Der Gläubigerausschuss ist ein Gremium von Gläubigervertretern im Insolvenzverfahren, das den Verwalter unterstützt, überwacht und wichtigen Geschäften zustimmen muss.
GmbH-Anteilskauf
Beim GmbH-Anteilskauf erwirbt der Käufer Geschäftsanteile an einer GmbH; der Vertrag muss nach § 15 GmbHG notariell beurkundet werden.
Goodwill
Goodwill ist der Teil des Kaufpreises, der über den Wert der einzelnen Vermögensgegenstände abzüglich Schulden hinausgeht – etwa für Kundenstamm, Ruf und eingespieltes Team.

H

Handelsregister
Das Handelsregister ist ein öffentliches Verzeichnis der Amtsgerichte, in dem Kaufleute und Gesellschaften mit Firma, Sitz, Vertretern und weiteren Angaben eingetragen sind.

I

Information Memorandum
Das Information Memorandum ist ein umfassendes Verkaufsdokument mit Geschäftsmodell, Markt, Zahlen und Planung, das ausgewählte Interessenten nach Abschluss einer NDA erhalten.
Insolvenzverwalter
Der Insolvenzverwalter wird vom Insolvenzgericht bestellt, verwaltet das Vermögen des insolventen Unternehmens und verwertet es im Interesse aller Gläubiger.
Inventar und Warenlager
Inventar und Warenlager umfassen die beweglichen Wirtschaftsgüter und Vorräte eines Betriebs, die beim Verkauf bewertet und häufig gesondert abgerechnet werden.
Investorenprozess
Ein Investorenprozess ist ein strukturiertes Verfahren, in dem ein Unternehmen mehreren Kaufinteressenten parallel angeboten wird, um den besten Käufer zu finden.

K

Kassenarztsitz
Der Kassenarztsitz ist die Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung; in gesperrten Gebieten wird er bei Praxisabgabe im Nachbesetzungsverfahren nach § 103 SGB V vergeben.
Kaufgesuch
Ein Kaufgesuch ist ein Inserat, in dem ein Interessent beschreibt, welches Unternehmen er kaufen möchte – nach Branche, Region, Größe und Budget.
Kaufpreisallokation
Die Kaufpreisallokation teilt den Gesamtkaufpreis auf die einzelnen erworbenen Vermögenswerte und den verbleibenden Firmenwert auf.
Kaufpreisfinanzierung
Die Kaufpreisfinanzierung beschreibt, wie ein Käufer den Kaufpreis aufbringt – meist als Mischung aus Eigenkapital, Bankdarlehen, Förderkrediten und Verkäuferdarlehen.
Kundenabhängigkeit
Kundenabhängigkeit liegt vor, wenn ein großer Teil des Umsatzes auf wenige Kunden entfällt; sie gilt beim Unternehmenskauf als wesentliches Risiko.

L

Legal Due Diligence
Die Legal Due Diligence prüft die rechtlichen Verhältnisse eines Unternehmens – Gesellschaftsrecht, Verträge, Arbeitsrecht, Schutzrechte und Rechtsstreitigkeiten.
Letter of Intent (LOI)
Ein Letter of Intent ist eine Absichtserklärung, in der Käufer und Verkäufer die Eckpunkte eines geplanten Unternehmenskaufs festhalten, bevor die Due Diligence beginnt.
Locked Box
Bei der Locked Box wird der Kaufpreis auf Basis eines zurückliegenden Abschlusses vereinbart; der Verkäufer darf ab diesem Stichtag keine Werte mehr aus dem Unternehmen ziehen.

M

M&A-Berater
Ein M&A-Berater begleitet Verkäufer oder Käufer beim Unternehmenskauf – von der Bewertung über die Käufersuche bis zur Verhandlung und zum Vertragsabschluss.
Management Buy-in (MBI)
Beim Management Buy-in kauft ein externer Manager oder ein Team von außen ein Unternehmen und übernimmt zugleich dessen Leitung.
Management Buy-out (MBO)
Beim Management Buy-out übernehmen leitende Mitarbeiter das Unternehmen, in dem sie bereits arbeiten, vom bisherigen Inhaber.
Mantelkauf
Beim Mantelkauf wird eine Gesellschaft ohne aktiven Geschäftsbetrieb gekauft, um sie als rechtliche Hülle für ein neues Geschäft zu nutzen.
Massegläubiger
Massegläubiger sind Gläubiger, deren Forderungen erst durch das Insolvenzverfahren entstehen; sie werden vor den gewöhnlichen Insolvenzgläubigern aus der Masse bezahlt.
Mezzanine-Kapital
Mezzanine-Kapital ist eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital, etwa ein Nachrangdarlehen oder eine stille Beteiligung, die Finanzierungslücken schließen kann.
Multiplikatorverfahren
Beim Multiplikatorverfahren wird der Unternehmenswert geschätzt, indem eine Kennzahl wie EBIT oder Umsatz mit einem marktüblichen Faktor multipliziert wird.

N

Net Debt
Net Debt ist die Nettofinanzverschuldung eines Unternehmens: verzinsliche Finanzschulden und schuldenähnliche Posten abzüglich liquider Mittel.
Normalisiertes Ergebnis
Das normalisierte Ergebnis ist das um Einmaleffekte, private Kosten und einen marktüblichen Unternehmerlohn bereinigte Ergebnis, das ein Käufer dauerhaft erwarten kann.
Notarielle Beurkundung
Die notarielle Beurkundung ist eine gesetzliche Formvorschrift, bei der ein Notar den Vertrag verliest und die Erklärungen der Parteien in einer Urkunde festhält.

O

Onlineshop-Übernahme
Bei der Onlineshop-Übernahme kauft ein Käufer einen bestehenden Webshop mit Domain, Shopsystem, Kundendaten, Lieferantenbeziehungen und Traffic-Quellen.

P

Praxisübernahme
Bei einer Praxisübernahme kauft ein Arzt, Zahnarzt, Therapeut oder anderer Freiberufler eine bestehende Praxis mit Patientenstamm, Ausstattung und Team.
Praxiswert
Der Praxiswert ist der ideelle Wert einer Arzt-, Zahnarzt- oder Therapiepraxis, der über den Substanzwert der Einrichtung hinausgeht – vor allem für Patientenstamm und Standort.
Private Equity
Private Equity bezeichnet Beteiligungskapital von Fonds, die sich an nicht börsennotierten Unternehmen beteiligen, diese weiterentwickeln und nach einigen Jahren wieder verkaufen.
Provision
Die Provision oder das Erfolgshonorar ist die Vergütung eines Vermittlers oder M&A-Beraters, die nur bei erfolgreichem Abschluss des Unternehmensverkaufs anfällt.

S

Schutzschirmverfahren
Das Schutzschirmverfahren ist ein besonderes Eröffnungsverfahren in Eigenverwaltung, in dem ein Unternehmen unter gerichtlichem Schutz einen Insolvenzplan vorbereitet.
Search Fund
Ein Search Fund ist ein Modell, bei dem ein Unternehmer mit Unterstützung von Investoren gezielt ein mittelständisches Unternehmen sucht, kauft und selbst führt.
Share Deal
Beim Share Deal kauft der Käufer die Anteile an der Gesellschaft, die das Unternehmen betreibt; die Gesellschaft selbst bleibt mit allen Rechten und Pflichten bestehen.
Signing
Signing ist die Unterzeichnung des Unternehmenskaufvertrags; ab diesem Zeitpunkt sind Käufer und Verkäufer rechtlich an den Vertrag gebunden.
Substanzwert
Der Substanzwert ist der Wert der einzelnen Vermögensgegenstände eines Unternehmens abzüglich der Schulden, ohne Berücksichtigung künftiger Erträge.

T

Tax Due Diligence
Die Tax Due Diligence prüft die steuerlichen Verhältnisse und Risiken eines Unternehmens und die steuerlichen Folgen der geplanten Transaktion.
Teaser
Ein Teaser ist ein kurzes, anonymisiertes Unternehmensprofil, mit dem potenzielle Käufer auf ein Verkaufsangebot aufmerksam gemacht werden.

U

Übergangsphase
Die Übergangsphase ist der Zeitraum nach dem Verkauf, in dem der bisherige Inhaber den Käufer einarbeitet und Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter an ihn übergibt.
Übertragende Sanierung
Bei der übertragenden Sanierung kauft ein Investor den Geschäftsbetrieb eines insolventen Unternehmens, während die Altschulden beim alten Rechtsträger bleiben.
Umsatz-Multiple
Das Umsatz-Multiple schätzt den Unternehmenswert als Vielfaches des Jahresumsatzes und wird vor allem bei sehr kleinen oder ertragsschwachen Unternehmen genutzt.
Unternehmensbörse
Eine Unternehmensbörse ist ein Online-Marktplatz, auf dem Unternehmen zum Verkauf angeboten und Kaufgesuche von Übernahmeinteressenten veröffentlicht werden.
Unternehmensnachfolge
Unternehmensnachfolge bezeichnet die Übergabe eines Unternehmens vom bisherigen Inhaber an einen Nachfolger – innerhalb der Familie, an Mitarbeiter oder an externe Käufer.
Unternehmerlohn
Der kalkulatorische Unternehmerlohn ist ein angenommenes marktübliches Gehalt für die Arbeit des Inhabers, das bei der Bewertung vom Ergebnis abgezogen wird.

V

Verkäuferdarlehen
Beim Verkäuferdarlehen stundet der Verkäufer einen Teil des Kaufpreises und erhält ihn in Raten zurück, meist verzinst und oft nachrangig zu Bankkrediten.
Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA)
Die Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) verpflichtet Kaufinteressenten, Informationen über ein angebotenes Unternehmen geheim zu halten und nur zur Prüfung des Kaufs zu nutzen.
Vorläufiges Insolvenzverfahren
Das vorläufige Insolvenzverfahren ist die Phase zwischen Insolvenzantrag und Eröffnungsentscheidung, in der das Gericht das Vermögen sichert und die Fortführung prüfen lässt.

W

W&I-Versicherung
Eine W&I-Versicherung deckt Schäden aus der Verletzung von Garantien im Unternehmenskaufvertrag ab, sodass der Käufer sich an den Versicherer statt an den Verkäufer wendet.
Wettbewerbsverbot
Ein Wettbewerbsverbot im Unternehmenskaufvertrag untersagt dem Verkäufer, dem verkauften Unternehmen für eine bestimmte Zeit und in einem bestimmten Gebiet Konkurrenz zu machen.
Working Capital
Working Capital ist das im laufenden Geschäft gebundene Kapital, meist Vorräte plus Forderungen aus Lieferungen und Leistungen abzüglich Verbindlichkeiten aus Lieferungen.