Das Insolvenzverfahren eines kommunalen Energieversorgers ist beendet. Gläubiger erhielten insgesamt 65,4 Mio. €, ein Übererlös von etwa 6,5 Mio. € geht an die Stadt als Gesellschafterin.
Gera, ThüringenVollständigkeit 40%
Symbolbild
Jahresumsatz
auf Anfrage
Budget
auf Anfrage
EBIT
k. A.
Mitarbeiter
k. A.
Umsatz je Mitarbeiter
k. A.
Gegründet
k. A.
Verkaufsgrund
Insolvenz
Online seit
29.10.2026
Beschreibung
Diese Meldung ist kein Kaufangebot mehr. Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Stadtwerke Gera AG ist nach dem Schlusstermin am Amtsgericht Gera abgeschlossen. Alle wesentlichen operativen Beteiligungen wurden bereits in den Vorjahren verkauft. Ein Investorenprozess läuft nicht mehr.
Zum Unternehmen: Die Gesellschaft war die Holding der Stadt Gera (Thüringen). In ihr lagen alle städtischen Beteiligungen der Daseinsvorsorge für ein Einzugsgebiet von rund 200.000 Einwohnern. Dazu gehörten Energieversorgung, öffentlicher Personennahverkehr, Wohnungsbau und Entsorgung. Als im Juni 2014 der Insolvenzantrag gestellt wurde, arbeiteten in den Konzernunternehmen etwa 1.000 Beschäftigte, der Umsatz lag insgesamt bei rund 200 Mio. €. Für eine kommunale Holding war ein solches Verfahren in Deutschland bis dahin ohne Beispiel.
Verlauf des Verfahrens: Die Betriebe wurden zuerst stabilisiert und ohne Einschränkungen weitergeführt. Dabei arbeitete der Verwalter mit dem Gläubigerausschuss, der Stadt Gera und dem Land Thüringen zusammen. So wurde verhindert, dass die Beteiligungsgesellschaften nacheinander zusammenbrechen. Danach wurden die Beteiligungen schrittweise verkauft:
- Umweltdienste-Gesellschaft (GmbH & Co. KG): Anteile an den bisherigen Minderheitsgesellschafter; die restlichen Anteile wurden im April 2021 verkauft
- Abfallverwertungsgesellschaft: Verkauf des Anteils von 25,1 % an den Mitgesellschafter
- Wohnungsbaugesellschaft: Verkauf der Beteiligung von 74,9 % im Sommer 2016 nach einem EU-weiten Bieterverfahren
- Energieversorgung und Kraftwerke: Verkauf der Beteiligungen von je 50,1 % im November 2017 an den Mitgesellschafter
Vor dem Abschluss musste unter anderem das gesonderte Insolvenzverfahren der städtischen Verkehrsbetriebsgesellschaft beendet werden. Auch dort wurden die Gläubiger voll befriedigt, der Überschuss ging an die Holding. Der Nahverkehr in Gera wurde auf Grundlage eines gemeinsamen Sanierungskonzepts neu organisiert.
Ergebnis: Für alle operativ tätigen Tochtergesellschaften gibt es eine Fortführungslösung, rund 1.000 Arbeitsplätze bleiben erhalten. In der Schlussverteilung erhielten die Gläubiger insgesamt 65,4 Mio. €. Davon entfielen rund 12,1 Mio. € auf nachrangige Forderungen, alle Forderungen wurden also voll bezahlt. Den verbleibenden Überschuss von rund 6,5 Mio. € erhält die Stadt Gera als Gesellschafterin. Im Durchschnitt bekommen Gläubiger bei Unternehmensinsolvenzen in Deutschland nur 5 bis 10 % ihrer Forderungen.
Insolvenzverwalter war Dr. Michael Jaffé von der Kanzlei JAFFÉ Rechtsanwälte Insolvenzverwalter, bestellt vom Amtsgericht Gera.
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